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  • René Lüchinger

Eine lange Reise: Diagnose unbekannt.


Es war ein regnerischer Maitag, als Anna (Name geändert), eine Frau Mitte 30, mit einem Gefühl der Frustration und Verzweiflung aufwachte. Seit Monaten kämpfte sie gegen eine unerklärliche Gewichtszunahme, trotz strenger Diäten und regelmässigem Sport. Ihre Freunde und Familie bemerkten ebenfalls eine Veränderung in ihrer Stimmung – sie war oft müde, reizbar und schien nie genug Energie zu haben. Anna war bereits am Morgen müde. Aus dem Bett aufstehen war eine Tortur.


Anna beschloss, einen weiteren Versuch zu unternehmen, um Antworten zu finden. Sie hatte beim Hausarzt Blut nehmen lassen. Es sei alles normal. Sie müsse einfach mehr Entspannung in ihr Leben bringen. Sie war bei der Naturheilpraktikerin. In der Akupunktur. Hat verschiedene Supplemente versucht. Alles ohne Erfolg.


Schlussendlich landete Sie bei mir mit der Hoffnung, dass dieser Besuch anders verlaufen würde als die bisherigen. Beim ersten Treffen erzählte sie von ihren Symptomen: Gewichtszunahme, Müdigkeit, Konzentrationsprobleme und Stimmungsschwankungen. An sich eben sehr allgemeine Symptome, die von ganz vielen Systemen her kommen können. Und doch, gibt es Hinweise. Nägel, Haare, Haut. Zyklus. Verdauung. Es ist oft Detektivarbeit.

Aber aus der Anamnese, dem Gespräch lassen sich zu 80% die Krankheit herausfinden. Der Rest ist Bestätigung. Und so auch hier: Klarheit brachte die erweiterte Diagnostik mit einem Hormonpanel, um ihre Schilddrüsenfunktion und mögliche Autoimmunmarker zu bestimmen, aber auch Cortisol und die Sexualhormone zu überprüfen. Einige Tage darauf traf ich Anna wieder, um die Ergebnisse zu besprechen. Die Bluttests zeigten erhöhte Antikörper gegen die Schilddrüse, was auf Hashimoto-Thyreoiditis hinwies. Ihre Schilddrüsenhormone waren ebenfalls im Ungleichgewicht, zwar wie so oft nur diskret, denn die Schilddrüse kompensiert, so lange sie kann. In dem sie zum Beispiel andere Systeme und andere Hormone umreguliert.


Und doch war die Diagnose klar. Hashimoto. Mindestens eine von zehn Frauen sind in der Schweiz betroffen und doch sehe ich bei ca. einer von fünf Patientinnen diese Diagnose. Googeln Sie mal Schilddrüsenprobleme im Netz. Sie werden anhand der vielen Kliniken sehen, wie verbreitet die Schilddrüsenprobleme in der Schweiz sind.


Mit der Diagnose in der Hand fühlte Anna sowohl Erleichterung als auch Angst. Autoimmunkrankheit! Der Körper greift sich selber an! Und doch: Endlich wusste sie, was mit ihrem Körper los war, aber sie fragte sich, wie ihr Leben nun aussehen würde. Das wichtigste ist wie immer, den Menschen aufzuklären und in diesem Fall auch Hoffnung zu geben. Zum Glück gibt es viele Möglichkeiten, ihre Symptome zu lindern und ihre Gesundheit zu verbessern.

Der erste Schritt war eine Ernährungsumstellung. Ich empfahl Anna, glutenhaltige Lebensmittel zu meiden, da Gluten eine Entzündungsreaktion im Körper auslösen und die Symptome verschlimmern könnte. Die Studienlage ist zwar nicht eindeutig und doch sehe ich sehr oft wieder bessere Antikörpertiter und verbesserte TSH Werte. Und Gluten ist nicht gesund. Punkt. Daran gibt es leider nix zu rütteln. Und ich darf das sagen: Ich liebe Pizza.


Zusätzlich wurden bestimmte Nahrungsergänzungsmittel in Annas Therapieplan aufgenommen. Selen und Vitamin D waren besonders wichtig, um die Schilddrüse zu unterstützen und das Immunsystem zu stärken. Auch pflanzliche Adaptogene wie Ashwagandha und ähnliche wurden empfohlen, um den Stress zu reduzieren und die Nebennierenfunktion zu unterstützen. Jod, das allgemein als Schilddrüsen Spurenelement bekannt ist, muss gemessen werden, damit die Dosis stimmt. Denn beim Jod gilt insbesondere: Die Dosis macht das Gift! Jod kann sehr gefährlich sein.


Ein weiterer wichtiger Aspekt der Behandlung war die Balance der Sexualhormone. Anna hatte einen niedrigen Progesteronspiegel, der zu ihren Stimmungsschwankungen und Schlafproblemen beitrug. Mit Hilfe bioidentischer Hormone konnten wir Annas Progesteronspiegel wieder ins Gleichgewicht bringen, was zu einer spürbaren Verbesserung ihrer Symptome führte.

Die Schilddrüse ist ja die Dirigentin der Sexualhormone. Wenn nun die Dirigentin einen schlechten Tag (oder sogar schlechte Jahre) hat, so können die Progesteron Harfen noch so schön spielen, die Symphonie wird trotzdem zur Kakophonie des Grauens.


Neben diesen medizinischen Massnahmen lege ich grossen Wert auf einen gesunden Lebensstil. Regelmäßige Bewegung, ausreichend Schlaf und Stressbewältigungstechniken wie Meditation und Yoga wurden in Annas täglichen Ablauf integriert. Diese Veränderungen halfen ihr nicht nur körperlich, sondern auch emotional, sich besser zu fühlen.

Hier ist es wichtig zu beachten, dass Massnahmen umsetzbar sein müssen. Wenn schlussendlich die stressabbauenden Dinge nur noch Stress machen, ist niemandem geholfen.


Ein Jahr nach ihrer Diagnose blickte Anna auf ihre Reise zurück und war erstaunt über die Fortschritte, die sie gemacht hatte. Die Gewichtszunahme war gestoppt, sie fühlte sich energiegeladener und ihre Stimmung hatte sich stabilisiert. Der Weg war nicht immer einfach, aber mit der Unterstützung durch ihr Umfeld, einer Selbsthilfegruppe für Betroffene und einem ganzheitlichen Behandlungsansatz konnte Anna ihre Lebensqualität erheblich verbessern.


Hier übrigens ein Verein für Schilddrüsenbetroffene mit Selbsthilfegruppentreffen in der Schweiz:


Anna's Geschichte ist ein Beispiel dafür, wie wichtig es ist, auf die Signale des Körpers zu hören und bei anhaltenden Symptomen eine gründliche medizinische Abklärung zu suchen. Mit der richtigen Diagnose und einem individuell angepassten Therapieplan können Menschen mit Hashimoto-Thyreoiditis ein gesundes und erfülltes Leben führen.


Ist es einfach? Nein! Glutenverzicht ist unter Umständen anstrengend. Supplemente nehmen bedarf Organisation. Hormone einstellen kann dauern. Es kostet Geld, Zeit und viel Geduld. Aber Hashimoto ist behandelbar. Und der Griff zu den Schilddrüsenhormonen kann oft umgangen werden.


In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen pizzafreien Abend


Herzlichst, Ihr




Dr. René Lüchinger

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