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  • René Lüchinger

Dumm und dick und faul obendrein...eine Geschichte, die das Leben schrieb.

Teil 1: Provokationen ohne Ende?



Provokant, oder? Und doch ein Vorurteil, das bei vielen tief unten, im kleinen, dreckigen Anteil unseres bewertenden Unterbewusstseins schlummert und mit langen, verächtlichen Blicken Menschen verurteilt für etwas, das meist anders ist, als wir denken möchten.


1992 kam ein Buch heraus von Rosmarie Buri, ”Dumm und Dick, mein langer Weg”.

(Scalo Zürich Verlag 1. Januar 1992, ISBN-10: 3905080346).

Ich habe es damals nicht gelesen. Ich war rund 72 kg schlank, bei einer Grösse von 185 cm. Ich war am Ende meiner Kantonsschulzeit, kurz vor der Matur, also kam ich mir generell ziemlich klug vor.


Und doch, viele Jahre später kommt mir dieser Titel in den Sinn, den ich ein wenig ergänzt habe. Er muss etwas hinterlassen haben in mir, das sich tief in die limbische Struktur meiner Erinnerungen gefressen hat.

Übergewicht, über das so viel Gewichtiges geschrieben wird. Über das Gewicht werden wir von so vielen bewertenden Menschen sofort katalogisiert, kategorisiert und sind am Ende meist frustriert. Wenn das dann genügt. Oft ist die Depression ein guter Freund der gewichtigen Menschen.

Da gibt es sogar das fat shaming! So nennt sich der neudeutsche Begriff, der natürlich aus dem Land des “gross, grösser am Grössten” kommt, den USA. Und die haben auf der Welt wohl das grösste Problem mit dem Übergewicht, oder? So denken wir zumindest. Spannenderweise sind es aber Inselstaaten im Pazifik, die die USA locker überholen. 61% sind dort beim Spitzenreiter Nauru fettleibig. Nur schon das Wort tut weh. Fett-leibig. Dabei wäre Fett so etwas Tolles und wie haben unsere Vorfahren vor 100’000 Jahren gelechzt, wenn das Fett vom Fleisch ins Feuer tropfte. Doch ich schweife ab. Es gibt auch bei uns genug Gewicht, das sich durch die Strassen schleppt.


Da ja zum Thema Übergewicht viel zu wenig geschrieben wurde, gebe ich hier auch noch meinen Senf zur leckeren Bratwurst der gewichtigen Themen. Und lasse das Fett gewaltig ins Feuer tropfen, so dass die Flammen lodern.


Ich erfinde jetzt die Standardpatientin, basierend auf der Schnittmenge meiner betroffenen Menschen. Und möchte aufzeigen, dass der Weg zum Gewicht meist aus vielen kleinen Bausteinen gebaut wird, die alle zusammen gewaltig hinderlich sind, die gewonnenen Pfunde wieder loszuwerden. Und dann werden eben diese Menschen als faul, fett und vielleicht fahrlässig eingeordnet. Obwohl sie all das nicht sind!


Sich an den Haaren aus dem Sumpf zu ziehen tut verdammt weh! Insbesondere dann, wenn die Haare auf Grund der Schilddrüsenfehlfunktion brüchig sind und ausreissen, die Kraft fehlt, weil die muskelstimulierenden Sexualhormone nicht funktionieren, die Energie tief ist, weil die Depression da ist und der Stoffwechsel nicht funktioniert und kann, je nach Sumpfqualität beinahe unmöglich werden.


Doch wie beginnt der Kreis des Gewichts - der viciousus circulus, der Teufelskreis des Grauens?

Nehmen wir doch einfach mal die Teenagerzeit, eine Zeit des Teufels für Teenies wie auch Eltern. Die Hormone schiessen ein und wir wissen: Hormone machen mit uns einfach, was sie machen. Denen ist das egal, wie wir uns fühlen. Und nun nehmen wir den Teenie 2024. Die Menarche beginnt früher und früher, studienbelegt. Mit 10 Jahren schiessen diese Hormone auf eine Psyche, die weit weg ist von der Fähigkeit, diesen Kugeln des Chaos auszuweichen.


Die Menarche beginnt unter anderem so früh, weil unsere Welt hormonstörend geworden ist. Endokrine Disruptoren heissen die, ein Wort direkt aus Star Trek, so scheint es. Wir leben in einer östrogenisierten Umwelt. Zu viele östrogenähnliche Stoffe umgeben uns. Vom Mikroplastik und anderen Toxinen gar nicht zu reden.

Dieses zehnjährige Mädchen bekommt nun alle Anzeichen der Frau, die Brüste, Pickel und Haare spriessen, das Blut fliesst. Unter dem Einfluss des Östrogens kommen auch - da es in Dysbalance zu Progesteron ist - die gewichtigen Hüften und die ersten Polster, wo die Instagram Influencer Mädels keine haben. Filter sei Dank! Denn das Gewicht setzt je nach Hormonchaos ja nicht nur bei Po und Brüsten an. Auch der Bauch will was abkriegen. Der Spiegel wird zum Feind! Der Selfie kriegt Filter um Filter aufgeproppt.

Von der Antibabypille, der 3-Monatsspritze und Hormonspiralen wollen wir gar nicht anfangen. Ich möchte ja einen Blog schreiben und kein Buch! Wir zahlen einen gewichtigen Preis für den Spass ohne Baby Konsquenzen.


Doch nicht nur Hormone machen dem Teenie-Mädel (und natürlich auch den Jungs) zu schaffen. Denn im hormonellen Frust ist der Griff zum ungesunden Essen ja so nah. Essstörungen beginnen oft als Teenager und ziehen dann frisch, fromm, fröhlich und frei in die Adoleszenz weiter. Wie oft habe ich erwachsene Frauen, die als Teenie magersüchtig waren und nun mit den Hormonen, der Knochendichte, der Energie und dem Gewicht zu kämpfen haben. Ich ziehe den Hut vor diesen Kämpferinnen! Die Schlacht, die sie täglich schlagen, können sich viele von uns nicht in Ansätzen vorstellen. Die asozialen Medien und der grausame Schulhof Alltag tun das ihre dazu, dass hungern, Fressattacken und erbrechen normal werden.


Doch es geht weiter: Unsere Lebensmittelindustrie tut das ihre dazu, uns dumm, dick und faul hinzukriegen. Da hat es versteckten oder nicht so versteckten Zucker, Weissmehl, gehärtete Fette, die uns nicht hart, sondern weich machen. Da suggeriert uns die Werbung, seit wir vier Jahre alt vor dem Tablet sitzen, dass Frühstückscerealien gesund sind, denn jetzt haben sie ja 1% Vollkorn dabei. Oh und noch Vitamin D! So toll! Und der ganze andere Scheiss, der da in der Werbung auf uns einprasselt, hilft ebenso nicht.


Du weisch wo! Oh ja, ich weiss wo. Und was. Kinderparties inklusive.


Der Darm und seine Schleimhaut haben nun zusehends Freude. Der Zucker prasselt nur so rein, die fiesen Bakterien, die den Zucker und all die anderen Bösewichte der Ernährungsindustrie lieben, vermehren sich und produzieren ihrerseits Gifte, die nun auch noch auf die Schleimhaut prasseln. Diese wird früher oder später entzündet. Der Weg zur Autoimmunkrankheit rückt näher. Schilddrüse? Oh ja!


Der Darm stört wiederum die Hormone und dabei über das Insulin natürlich auch den Zuckerhaushalt des Körpers. Diese Gifte der Bakterien entzünden uns! Unterschwellig zuerst, doch keine Angst, die Schwelle wird bald überschritten. Das CRP, ein Akut-Phase-Protein, das oft als einfacher, kostengünstiger Wert zur Messung von Entzündungen im Körper dient, hat eine sechsmal höhere Chance, bei übergewichtigen Frauen deutlich erhöht zu sein. Spannend auch, dass diese entzündlichen Mediatoren z.B. TMA/TMAO, gebildet vom Mikrobiom, also dem Bakterienhaushalt des Darms, z.B. auch Arterienverkalkung fördern. Bluthochdruck, Herzinfarkt, Schlaganfall wo bisch? Du weisch wo!


Nun denn, so haben wir Hormonchaos, Darmentzündung und nun spriessen die Fettzellen und werden grösser und grösser. Zwischen diese Zellen hat es aber kleine Zellen, die nicht gerne haben, dass die Nachbarn mehr Platz brauchen. Des Schweizers liebster Streit, der Nachbarskonflikt entbrannt. Diese Zellen produzieren nämlich ihrerseits nun Entzündungshelfer. Ganz anders, als wenn die fetten Fettzellen dünn sind. Dann scheiden diese nämlich Entzündungshemmer aus. Hat da jemand Teufelskreis gesagt?


Übrigens, abgesehen davon, dass Hormonchaos Depressionen begünstigen kann, machen Entzündungen das eben auch. Und mit einer Depression hat man nicht gerade viel Energie. Faul? Nein. Entzündet. Ja. Und wie.

Dumm? Nein! Entzündet! Es wurde gezeigt, dass diese niederschwelligen und bald nicht mehr sehr niedrigen Entzündungswerte die Gehirnleistung beeinträchtigen. Alzheimer? Oh ja, unter anderem das Endprodukt von langjährigen Entzündungen.


Und dabei haben wir ja noch gar nicht von der Schilddrüse und dem Insulin gesprochen.


Provokant? Nein. Sehr traurig. Das Schicksal der übergewichtigen Menschen verdient unseren Respekt und unser Mitgefühl. Denn die Betroffenen wollen raus! Wirklich. Es ist keine Lüge, wenn viele mir sagen, dass sie wenig essen. Und dann im Frust der Hungerattacke kompensieren. Du weisch würkli wo!


Sie wollen raus aus dem Teufelskreis. Und versuchen und versuchen. Das und jenes. Und scheitern oft und immer öfter. Und geben früher oder später auf. Und dann winken solche Wunderdrogen wie Ozempic, Semaglutid usw.. Sie winken, aber wie so oft bezahlen wir auch dort einen Preis. Doch das wäre ein anderer Beitrag. Es winken die kurzfristigen Lösungen, Bauch weg in 2 Stunden. Kein Problem. Messer her!

Zum Glück gibt es wirklich andere Wege, gesunde Wege.


Doch mehr davon, wenn ihr mich wiederlest!


Bleibt mir gewogen, liebe Leser!


Respektvoll, Euer




Dr. René Lüchinger

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